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Leben mit MS

Weniger ist mehr: von Pausen & Co.

Die MS und Fatigue haben mich gelehrt, wie wichtig es ist, mit meinen Kräften hauszuhalten – das sind meine Tipps & Strategien:

Man sollte ja meinen, dass es einfacher ist, weniger zu tun anstatt mehr. Von wegen! 😀
Ich habe ja eigentlich immer den Kopf voller Ideen und Hummeln im Hintern, noch dieses oder jenes erledigen zu wollen.

Was mich die MS dabei allerdings gelehrt hat: wie wichtig Pausen sind. Ansonsten schmieren die besagten Hummeln nämlich von jetzt auf gleich ab, als wären sie gegen eine Steilwand geklatscht. Akku leer. Fatigue lässt grüßen. Rien ne va plus. 🥱

In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen mit dir und verrate dir meine Tipps, um einen Gang runterzuschalten.

Immer mehr, immer weiter?

Ich bin nicht gut darin, „einfach mal gar nix zu machen“. Das ist doch langweilig! 😀

Wochenenden und freie Tage sind für mich meist willkommene Gelegenheiten, all das zu erledigen, was unter der Woche jobbedingt liegen blieb: Wäsche, Garten, Ablage, Blogartikel (ich schreibe ja nicht nur hier, sondern auch drüben auf vom Landleben und Notizbuchmagie), durchsaugen und wischen, private Mails beantworten, Fenster putzen, … und so weiter.

Ich rödele stundenlang vor mich hin und wenn ich dann abends total k.o. auf dem Sofa liege, meldet sich auch noch das schlechte Gewissen: „Böh, jetzt hast du schon wieder keinen Sport gemacht!“

Eek.

Auch beruflich ticke ich so – ich will die Dinge fertig kriegen und habe Spaß an meiner Arbeit.

Dabei habe ich allerdings lange Zeit keine Rücksicht auf mich selber genommen.

„Dein Pensum ist Wahnsinn“, kommentierte mein Mann vor einiger Zeit kopfschüttelnd. Und auch wenn meine erste Reaktion nicht gerade eine emotionale Glanzleistung war („Pff, ich kann noch viel mehr!“)… Recht hat er.

Ich arbeite halt einfach gern…

Ich mag meinen Job. Ich mag meine Hobbys. Ich mag das Gefühl, Dinge erledigt zu kriegen.

Egal ob das ein leerer Posteingang ist, eine perfekte PowerPoint-Präsentation, ein veröffentlichter Artikel oder dieses Erfolgsgeräusch, wenn der Staubsauger vor lauter Bröseln rappelt und ich weiß, dass sich das Durchsaugen gelohnt hat und danach alles blitzeblank ist. 😀

… aber ich muss nichts beweisen!

Wenn ich so darüber nachdenke, hatte ich lange Zeit unbewusst eine trotzige Motivation: ich wollte mir (und der ganzen Welt) beweisen, dass ich trotz MS (und vorher schon ein paar anderer Baustellen) mindestens genauso viel schaffe wie andere Menschen.

Das ist natürlich ziemlich stur und bockig und hat viel damit zu tun, dass ich die MS lange Zeit nicht akzeptieren wollte.

Und ich dachte mir: mach, so viel du nur kannst, solange du es noch kannst.

Natürlich ist das bei nährerer Betrachtung herzlich idiotisch. Denn auch wenn es erstmal wahnsinnig stark klingt, dieses ganze heroische „Geh an deine Grenzen – und dann weiter“ und so: wenn das zum Dauerzustand wird, ist das verdammt ungesund. Und ich kriege früher oder später die Rechnung dafür.

Deswegen arbeite ich an mir, um auch mal fünfe gerade sein zu lassen und bewusst weniger zu arbeiten. Es klappt nicht immer, aber es wird besser. 🙂

Also, wie sehen meine Strategien aus, um ausreichend Pausen einzulegen und mich nicht zu übernehmen?

Aufgaben managen

Im Alltag fallen eine ganze Menge To Dos an, beruflich wie privat. Im Laufe der Zeit habe ich ein paar Tricks gelernt, um sie auszubalancieren:

Ab auf die To Do-Liste

Ich schreibe mir jeden Tag eine To Do-Liste. Sie hilft mir dabei, die Dinge aus meinem Kopf zu bekommen. Was auf der Liste steht, vergesse ich sicher nicht und ich muss nicht dauernd mit einem „Bloß nicht vergessen…!“ daran denken. Das spart Energie. 🙂

Es ist natürlich auch ein gutes Gefühl, Dinge abzuhaken und am Ende schwarz auf weiß zu sehen, was ich alles geschafft habe. Du kennst ja bestimmt auch diese Tage, an denen man sich abends fragt, was man eigentlich die ganze Zeit über gemacht hat… die Liste beweist, dass das gar nicht mal so wenig war.

Wie kleinteilig ich die Liste schreibe, hängt von meiner Tagesform ab. Wenn ich jede Menge Energie habe und jenseits der wirklich notwendigen Aufgaben „einfach so“ Dinge erledige, schreibe ich die nicht auf. An anderen Tagen landen da auch so kleine Etappensiege wie „Bett machen“ oder „Email von XYZ beantworten“ drauf.

Zu guter Letzt hilft mir die To Do-Liste, meinen Tag realistisch zu planen:

Aufgaben realistisch einschätzen

Hinter jede Aufgabe schreibe ich eine grobe Schätzung, wie lange sie dauern wird. Und wenn da dann viermal „3h“ steht, ist klar: das wird so nix, da muss ich umplanen.

Das Zauberwörtchen heißt Erwartungsmanagement: ich nehme mir nur so viel vor, wie ich gut schaffe, ohne auf dem letzten Loch zu pfeifen.

Wenn danach noch Energie übrig ist – prima. Die investiere ich gerne in „optionale Projekte“, wie etwa diesen Artikel hier.
Und wenn nicht, ist das auch okay.

Klar, das klappt nicht immer zu 100%. Manchmal kommt im Job oder privat etwas Dringendes dazwischen, das nicht warten kann. Aber solche Ausnahmen kann ich wesentlich besser abfedern, wenn ich ansonsten nicht permanent k.o. bin.

To Dos mixen

Ich achte darauf, meine Aufgaben abwechslungsreich anzugehen. Also nicht 5 Stunden Hausputz am Stück – das wird nix. Danach bin ich nämlich völlig fertig und den Rest des Tages zu nichts mehr zu gebrauchen.

Lieber: staubsaugen (geistig herzlich anspruchslos), dann am Rechner Mails beantworten (körperliche Entspannung), danach ein bisschen im Garten herumfuhrwerken (Pflanzen machen glücklich!), anschließend ein Telefonat erledigen, dann wischen, … und so weiter.

Zwischendurch plane ich explizit Pausen ein! Gut funktioniert das für mich mit Netflix & Co., wenn die Folgen ungefähr 20 bis 30 Minuten lang sind.

Termine & Verabredungen

Eigentlich fällt das Treffen mit Freunden ja in die Rubrik „Freizeit und Entspannung“. Uneigentlich kostet mich auch das Energie, so schön die Zeit auch sein mag.

Ich habe gelernt, mit meinen Kräften zu haushalten und mir da nicht zu viel aufzuhalsen. Schon gar nicht mit Druck à la „andere kriegen das doch auch hin!“. Ganz unabhängig von der MS ticke ich da vielleicht auch einfach anders. 😉

Wenn ich die ganze Woche gearbeitet habe und wir samstags bei Freunden eingeladen sind, dann brauche ich am Sonntag meine Ruhe und Zeit für mich. Das weiß auch mein Mann und so planen wir von vornherein nicht zu viele Verabredungen ein.

Aktive Entspannung

Wie gesagt, ich kann nicht gut stillsitzen und nichts tun. Aktive Entspannung ist eher mein Ding – Spaziergänge mit meinem Hund oder den Pferden sind großartig. Am besten irgendwo, wo mir unterwegs keine Menschenseele begegnet und ich einfach nur in der Natur für mich sein kann.

Im Garten zu arbeiten liebe ich auch. Da achte ich mittlerweile darauf, mir nicht zu viele anstrengende Aufgaben auf einmal vorzunehmen (also: entweder Rasen mähen oder den Kompost umsetzen, nicht beides an einem Tag).

… ohne mich unter Druck zu setzen

Ich mag Zahlen und Statistiken und bin ein ehrgeiziger Mensch. Deswegen habe ich beim Laufen und Radfahren jahrelang gemessen, wie schnell ich war, wie weit, wie viele Höhenmeter, und so weiter.

Klar, das kann motivierend sein. Aber gleichzeitig habe ich mich damit auch wahnsinnig unter Druck gesetzt, bloß nicht schlechter zu werden. Und das hat mir irgendwann jegliche Lust an der Bewegung an sich genommen, ich trainierte bloß der Zahlen wegen. Möp.

Das mache ich nicht mehr. Die Laufuhr und den Tacho habe ich in den Schrank verbannt. Unterwegs höre ich auf meinen Körper, wie viel je nach Tagesform gerade geht.
Wenn da ein steiler Berg kommt und ich mir denke, „wow, challenge accepted!“ – dann bin ich nachher einfach stolz, wenn ich da hoch gekommen bin und es ist mir wurscht, ob das meine Durchschnittsgeschwindigkeit nach unten gezogen hat oder nicht.

Alles kann, nix muss.


Das waren so meine Tipps und Tricks… vielleicht kannst du daraus ja etwas für dich mitnehmen. 🙂

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