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Leben mit MS

Was Selbstfürsorge mit MS zu tun hat

Jetzt steht da oben seit einiger Zeit „Selbstfürsorge mit Multipler Sklerose“ unter dem Logo – aber was genau heißt das eigentlich für mich (und vielleicht auch für dich)? 🤔

Nanu, keine „offizielle“ Definition von Selbstfürsorge?

Ich war ein bisschen überrascht, dass sich im großen, weiten Internet keine allgemeine, kurze & knackige Definition von Selbstfürsorge findet. Nicht einmal auf Wikipedia.

Also springen wir mal rüber ins Englische, da werden wir fündig:

Self-care: the act of caring for yourself when you are ill or to stop yourself from becoming ill

Cambridge Dictionary

„Dich um dich selbst kümmern, wenn du krank bist, oder damit du nicht krank wirst“ – das finde ich wunderbar zusammengefasst.
Gerade für uns MSler ist das sooo wichtig!

Aktiv dafür sorgen, dass es mir gut geht

Jahrelang habe ich viele Dinge mit einem Schulterzucken hingenommen und unbewusst erwartet, dass sie irgendwann bestimmt von alleine besser werden. Etwa körperliche Zipperlein oder die Baustellen rund um mein Selbstwertgefühl. Bei Licht betrachtet ist das natürlich Quark. 🙈

Ich halte ja verdammt große Stücke auf die Selbstheilungskräfte des Körpers. Aber wenn ich mich nicht gut um ihn kümmere und stattdessen einfach immer nur weitermache wie bisher, kann das nix werden. Stattdessen muss er dann die Notbremse ziehen und mir einen Schub vor den Latz knallen.

Ebensowenig kann sich meine Selbstwahrnehmung verändern und verbessern, wenn ich einfach weiterhin in den gleichen alten Denkmustern hängenbleibe und daran nichts ändere.

Dieser Groschen fiel bei mir irgendwann, ausgelöst durch meine MS-Diagnose. Und ab dann habe ich begonnen, mich aktiv um mich zu kümmern. Das war der Startschuss für meine Selbstfürsorge.

Die Bestandsaufnahme

Der erste Schritt war, bewusst hinzusehen und eine Bestandsaufnahme zu machen: wie geht es mir eigentlich? In welchen Bereichen habe ich Probleme oder merke, dass sie mich viel zu viele Nerven kosten? Wo bin ich unzufrieden mit mir und will nicht für den Rest meines Lebens so sein? Will ich in fünf Jahren immer noch Problem xyz am Hacken haben? Oder ist es höchste Eisenbahn, das endlich mal anzugehen?

Denn wenn ich diese Punkte nicht in Angriff nehme, werde ich weiterhin Energie darauf ver(sch)wenden müssen. Und Energie haben wir dank der MS ja nun wirklich nicht zu verschenken!

Bei einigen Themen fand ich das ziemlich unangenehm. Wir Menschen tendieren ja ganz gerne dazu, unliebsame Baustellen tunlichst auszublenden und vor uns selbst zu leugnen. Ich musste mich also überwinden, genau hinzusehen und mir das ein oder andere einzugestehen. Etwa, dass ich nun mal eine chronische, unheilbare Erkrankung habe und die durch eine Vogel-Strauß-Politik nicht einfach wieder weggeht.

Unterm Strich ist so eine Inspektion aber verdammt aufschlussreich! Denn danach wusste ich, an was ich arbeiten muss und will.

Empowerment: ich trage die Verantwortung für mich selbst und ich entscheide

Diese ganzen kleinen und großen Baustellen lösen sich natürlich nicht einfach in Luft auf. Eher kommen noch mehr dazu, wir werden ja alle nicht jünger. 😀

Ich musste also damit beginnen, sie aktiv in Angriff zu nehmen. Denn ich trage die Verantwortung für mein Wohlergehen.

Das bedeutet nicht, dass ich mir keine Hilfe suche. Ich hole die Meinungen anderer ein, ich informiere mich, hole mir Unterstützung. Aber ich hinterfrage die Dinge. Prüfe, ob sie mir wirklich gut tun.
Dabei höre ich auf mein Bauchgefühl, auf meinen Körper. Und am Ende entscheide ich über mich.

Mir das klarzumachen, hilft mir insbesondere in Bezug auf die MS. Denn auch wenn ich nicht weiß, was morgen ist – ich bin dem Schicksal trotzdem nicht total hilflos ausgeliefert. Das hat meiner inneren panischen Drama Queen etwas Wind aus den Segeln genommen. 😉

Analysieren. Verstehen. Und ändern!

Ich hole mir Denkanstöße aus Büchern und Artikeln. Erkenne Verhaltensmuster und lerne, wie ich sie ändere. Ich probiere aus, springe über meinen Schatten. Ich meditiere. Ich analysiere mich selbst und verstehe, warum ich so ticke, wie ich ticke. Ich lege mir die Karten, weil Tarot fern von Esoterik oder vermeintlicher Zukunftsdeuterei ein großartiges Werkzeug zur Selbstreflexion ist.

Nicht zuletzt setze ich mich aktiv mit der MS auseinander und damit, welchen Einfluss sie auf mein Leben hat. Dass ich diesen Blog hier schreibe, ist ein Teil davon.

Ich lerne, mich selbst anzunehmen. Und dafür muss ich nicht perfekt sein. Wie wir alle habe auch ich so meine Macken und na, der Lack ist halt auch teilweise schon ab. 😀 Aber das ist okay. Das ist menschlich.
Ich entscheide, an welchen Macken ich arbeiten will – und mit welchen ich zu leben lerne. Manche gehören halt einfach zu mir, andere kann ich nun mal nicht ändern. Aber ich kann mich mit ihnen arrangieren.

Die kleinen Dinge im Alltag

Neben diesen Baustellen spielt die Selbstfürsorge für mich aber auch noch woanders eine Rolle: nämlich im ganz normalen Alltag!

Wie schnell passiert es, dass wir im Alltagsstress versinken. Job, Familie, selbstgemachter Leistungsdruck bei Hobbys, und und und… du weißt schon. So schön das alles eigentlich ist, es kostet halt auch eine Menge Energie.

Durch die Fatigue muss ich nolens volens lernen, meine Grenzen zu erkennen und nicht ständig zu überschreiten, rechtzeitig Pausen einzulegen und wieder aufzutanken.

Ich achte darauf, meine Bedürfnisse wahrzunehmen. Mir zwischendurch Zeit für mich zu nehmen, mir etwas Gutes zu tun. Ich mache mir bewusst, was alles gut läuft, und bin dankbar dafür.

Unsere emotionale Gesundheit ist mindestens ebenso wichtig wie körperliches Wohlbefinden. Ich bin fest davon überzeugt, dass beides eng miteinander zusammenhängt.
Und auch wenn ich beispielsweise versuche, mich möglichst gesund zu ernähren – ab und an darf es dann auch einfach mal eine Pizza sein, weil die halt einfach Soulfood ist. 😉

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