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Welche Pharmakonzerne hinter MS-Plattformen stehen

Welche Pharmakonzerne hinter MS-Plattformen stehen

Zum Thema Multiple Sklerose gibt es etliche Apps, Foren und Info-Plattformen. Betrieben werden sie häufig von niemand anderem als Pharmaherstellern:


Für MS-Betroffene gibt es etliche Apps, Foren und Info-Plattformen.

Was man leicht übersieht: bereitgestellt werden diese Dienste fast immer von Pharmafirmen. Genau den Unternehmen also, die an der Multiplen Sklerose verdienen. Zwar sehen solche Services oft wie (Selbst-)Hilfeangebote aus – de facto sind sie aber einfach Teil geschickten Marketings.

Von polemischem Bashing halte ich nicht viel; ich verteufle Pharmakonzerne nicht per se. Ohne sie gäbe es schließlich keine Medikamente. Auch wenn die MS noch nicht heilbar ist und ich der ebenso gängigen wie fragwürdigen Praxis verlaufsmodifizierender Therapien sehr kritisch gegenüberstehe: andere Krankheiten sind mittlerweile medikamentös durchaus in Griff zu bekommen. Hier sorgen Arzneimittelhersteller für Lebensqualität.
(Wobei eine unheilbare Krankheit mit Dauermedikation natürlich lukrativer ist als eine, die sich heilen lässt… just sayin‘.)

Nichtsdestotrotz schadet es nicht, sich die Services und Anbieter mal genauer anzusehen… und sich klarzumachen, wer da eigentlich hinter so einer nett gestalteten Plattform steht.

Die vermeintlich nur gut gemeinten Informationen und Tipps sind eben nicht unabhängig, sondern bewerben letztlich Medikamente Produkte. Sie sollen einerseits das Vertrauen in die Wirksamkeit der Medikamente aufbauen – und gleichzeitig Ängste davor schüren, was womöglich ohne Therapie geschieht. Wo hören objektive Fakten auf, wo beginnt das Spiel mit Emotionen?

Neben Beiträgen bieten Apps wie „Cleo“ oder „MS und ich“ einige Funktionen, die durchaus praktisch erscheinen: etwa eine Erinnerung an das Einnehmen von Medikamenten oder ein MS-Tagebuch zum Dokumentieren von Beschwerden und Befinden.
Man darf sich fragen, ob man solche Daten wirklich einem Pharmahersteller anvertrauen möchte… zumal bei der dafür notwendigen Registierung nach sehr vielen persönlichen Angaben wie dem vollen Namen, Geburtsdatum, Datum der Diagnose, MS-Verlaufsform, Therapie usw. gefragt wird.

Wer will all das wissen und warum?

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, ein wenig zu recherchieren:

App / PlattformAnbieterMS-Medikamente des Anbieters
Aktiv mit MSTevaCopaxone
CleoBiogenAvonex
Fampyra
Plegridy
Tecfidera
Tysabri
leben-mit-ms.deMerckMavenclad
Rebif
MS-life.deBiogenAvonex
Fampyra
Plegridy
Tecfidera
Tysabri
MS und ichNovartisExtavia
Gilenya
trotz-ms.deRocheOcrevus

Neben diesen Online-Angeboten gibt es zudem entsprechende Printmedien. Hierzu empfehle ich den kritischen Artikel „Schön, aber…“ der MS-Stiftung Trier.

Langer Rede kurzer Sinn… als MS-Betroffene sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir eine sehr lukrative Zielgruppe darstellen. Die Informationsangebote für Betroffene und Ärzte (!) sind häufig von finanziellen Interessen der Pharmakonzerne beeinflusst.
Es lohnt sich also, genau hinzuschauen, wer eine Information oder einen Service bereitstellt – und mit welchen Intentionen.

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