Kategorien
Leben mit MS

Notaufnahme, CT, Lumbalpunktion & weitere Untersuchungen

In den ersten Tagen im Krankenhaus wurde mein Körper quasi auf den Kopf gestellt, um herauszufinden, was mit mir los war:

Hier geht es zum vorherigen Teil: Mein erster bewusster MS-Schub


Im Krankenhaus ging es erstmal in die Notaufnahme und nach erfreulich kurzer Wartezeit kam ich auch schon zu einer Neurologin. Mir wurde gleich ein Zugang gelegt, jede Menge Blut abgenommen und noch einmal in die Augen geleuchtet.

Dann wurde ich zum CT geschickt. Diese Untersuchung ging flott über die Bühne – ich musste mich hinlegen, wurde mit dem Kopf in eine Röhre geschoben und nach 10 Minuten war das Ganze auch schon fertig.

Von dort aus sollte ich mich auf der Neurologie in dem mir zugeteilten Zimmer einfinden… denn als nächstes sollte eine Lumbalpunktion vorgenommen werden und nach der müsste ich auf jeden Fall über Nacht bleiben. Da half nichts. 🙁

Außerdem wolle man montags ein MRT machen und bis dahin müsse ich stationär bleiben. Ich könnte aber am Wochenende tagsüber jeweils nach Hause fahren. Na gut.

Vor der Lumbalpunktion war ich sehr nervös. Ich fand die Vorstellung gruselig, dass da Flüssigkeit aus meinem Rückenmark abgezapft wird-
Die Punktion selber stellte sich aber als harmlos heraus: ich musste mich auf die Bettkante setzen und die Füße auf einen Hocker stellen. Auf den Schoß bekam ich ein Kissen gelegt und ich sollte mich mit mit einem möglichst runden Rücken vorbeugen. Aus dem Bereich zwischen den Wirbelkörpern wurde dann auf Höhe der Lendenwirbelsäule mit einer Spritze das Liquor entnommen – das tat auch nicht weiter weh, war ein ganz normaler Nadelpieks.

Danach sollte ich auf dem Rücken liegen bleiben und viel trinken, hieß es, um keine Kopfschmerzen zu bekommen. Leider half das überhaupt nicht:

Die Folgen der Lumbalpunktion – irghs.

Schon abends bekam ich heftige Rückenschmerzen. Am nächsten Morgen fühlte ich mich wie gerädert. Sobald ich aufstand, explodierte mein Kopf – so krasse Kopfschmerzen habe ich noch nie gehabt. Es fühlte sich an, als würde etwas mein Gehirn in mein Rückenmark hineinsaugen.

Unter der Dusche klappte ich vor lauter Kreislaufproblemen fast zusammen, aber ich bin ja stur bei sowas… nein, schwor ich mir, ich würde garantiert nicht splitterfasernackt in der Dusche auf dem Boden sitzen und die dusselige Klingelschnur ziehen. Never!

Allerdings hatte ich mir ja vorgenommen, tagsüber nach Hause zu fahren. Ich vermisste meinen Hund und meinen Mann. Die Autofahrt war… anstrengend. Einmal mussten wir rechts ranfahren, weil mir schlecht wurde, das war aber zum Glück falscher Alarm.

Daheim weiß ich gar nicht, wer sich mehr über das Wiedersehen freute – mein Hund oder ich. Mehr als auf dem Sofa liegen und dösen / schlafen ging allerdings einfach nicht. Anfangs war mein Hund irritiert, verstand aber irgendwie, dass es mir nicht gut ging. Sie saß dann die ganze Zeit neben mir und passte auf mich auf. Hach, mein Herzenshund. <3

Rausgehen war keine gute Idee, nach 3 Minuten draußen im Garten sitzen musste ich mich übergeben.

Mein Mann war natürlich etwas geknickt, weil es mir so mies ging und auch aus so Plänen wie Spazierengehen oder Eiscafé mit meiner Mom definitiv nichts wurde. Immerhin bestellten wir abends Pizza, denn darauf hatte ich mich sehr gefreut! Naja… ich schaffte es, zwei Stücke Pizza im Liegen zu essen und bekam echt Bammel vor den Kopfschmerzen auf der Rückfahrt, die ja unvermeidlich anstand.

Im Auto stellte ich mir den Sitz zurück, schloss die Augen und nahm sicherheitshalber eine Tüte in die Hand. Und was soll ich sagen… kurz vorm Ziel brauchte ich die dann auch. Adieu Pizza. :/
(Dass sich aber auch sämtliche Mülleimer auf dem Krankenhaus-Parkplatz direkt neben Sitzbänken befinden mussten, wo überall Menschen die laue Abendluft genossen… sorry, aber irgendwo musste ich die Kotztüte dann einfach loswerden. 😀 )

Sonntags ging es mir nicht viel besser, sodass ich im Krankenhaus blieb. Ab mittags bekam ich dreimal täglich Koffeintabletten gegen die Kopfschmerzen, die halfen einigermaßen.

Weitere Untersuchungen

Montagfrüh wurde ich im Rollstuhl von der Station bis zum MRT-Untersuchungsraum geschoben, das war mir so unglaublich peinlich. Wie so eine alte Frau. °_°

Das Umständlichste am MRT war es eigentlich, meine ganzen Piercings rauszufriemeln. Danach musste ich einfach ca. 20 Minuten in einer Röhre liegen. Allzu laut war das gar nicht (Paul Kalkbrenner könnte aus dem Sound sicherlich was machen!) und Platzangst habe ich zum Glück nicht.

Eigentlich hatte ich gehofft, danach entlassen zu werden – allerdings lagen noch nicht alle Ergebnisse der Blut- und Liquoruntersuchungen vor und vorher durfte ich nicht gehen. Am nächsten Tag sollte ich zudem noch direkt vom Krankenhaus aus zu einem Augenarzt.

Also noch eine Nacht… oh Mann. Mittlerweile war ich echt fertig und wollte einfach nur noch nach Hause, in meine eigenen vier Wände, zu meinem Mann und den Tieren. :/
Mein Mann kam mich nachmittags besuchen und weil ich unbedingt an die frische Luft wollte, liefen wir ein bisschen über das KH-Gelände. Alter Schwede… eigentlich torkelte ich nur so an seiner Seite entlang, mit Kopfschmerzen und Doppelbildern und jeder Menge #mimimi. :/

Am Dienstag ging es mir zwar schon deutlich besser als am Wochenende, aber die Folgen der Lumbalpunktion machten mir doch noch ganz schön zu schaffen, als es morgens mit dem Taxi zum Augenarzt ging. Der Augenarzt machte diverse Tests mit einem an die Wand projizierten Kreuz, das ich halt mit einem Auge immer normal einmal sah – und mit beiden Augen gleichzeitig doppelt. Gnah.

Mit meinen Augen an sich habe das allerdings nichts zu tun, sondern mit dem 4. Hirnnerv… der steuert einen bestimmten Augenmuskel und wenn das nicht gescheit funktioniert, entstehen Doppelbilder. Warum auch immer der Hirnnerv da so rumzuspinnen meinte.

Nicht noch länger hier…!

… und dann kam die Ärztin zur Visite und meinte: sorry, aber mit Ihren Werten stimmt etwas nicht, wir möchten Sie gerne mit hochdosiertem Kortison behandeln. Fünf Tage lang, intravenös, und nein, das muss auf jeden Fall stationär gemacht werden.

… das war der Punkt, wo ich echt fast angefangen habe zu heulen. Bzw. es dann auch tat, als ich meinen Mann anrief. 🙁

Und was tat mein Held? Hörte sich das an, meinte, er müsse mal gerade etwas klären… und dann: er habe bei sich im Krankenhaus mit den Kollegen von der Neurologie gesprochen – ich könnte noch am gleichen Tag dort hin verlegt werden!

Er arbeitet ja im Krankenhaus Leverkusen. Dort wäre ich zumindest während seiner Arbeitszeit bei ihm in der Nähe, er müsste für Besuche nicht immer durch die ganze Weltgeschichte juckeln, und überhaupt, in Leverkusen kenne ich ja auch einfach Bekannte und Freunde, wir haben da ja jahrelang quasi hinterm Klinikum gewohnt. Puh! Direkt mittags würde der Beste mich abholen kommen und mit dem Auto von Krankenhaus zu Krankenhaus bringen.


Hier geht es weiter: Verlegung und weitere Differentialdiagnostik

2 Antworten auf „Notaufnahme, CT, Lumbalpunktion & weitere Untersuchungen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.