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Leben mit MS

Neue Neurologin

Mein bisheriger Neurologe hat aufgehört und ich hatte den 1. Termin bei seiner Nachfolgerin. Warum mir danach zum Heulen zumute war:

Der Neurologe, der mich nach meinem Krankenhausaufenthalt betreute, hat in diesem Ärztehaus leider aufgehört. Schade, ich fand ihn kompetent und freundlich.

Immerhin würde ich nicht im Regen stehen, da er seine Patienten an seine Nachfolgerin übergeben hat. Bei besagter Ärztin hatte ich heute den ersten Termin.

Nach der Arbeit setzte ich mich in den Zug und fuhr in die Nachbarstadt. Dort lief ich vom Bahnhof aus noch rund 20 Minuten, was mir im Zweifelsfall lieber ist, als auf einen proppevollen Bus zu warten.

Ich hatte ein flaues Gefühl im Magen, da ich die ganze MS-Thematik meistens ja doch ganz weit wegschiebe und sie anlässlich solcher Arzttermine plötzlich wieder sehr real wird.

Dank meines späten Termins war ich im Wartezimmer beinahe alleine und über den Flur flogen schon die Abschiedsworte der Arzthelfer, die allmählich alle in den Feierabend verschwanden.
Als ich aufgerufen wurde, wirkte die Ärztin kühl, gestresst und… ja, unfreundlich. Als würde ich ihre Zeit stehlen, wie ein unliebsamer Punkt auf einer To Do-Liste.
Ich hielt mir vor Augen, dass ich anscheinend die letzte Patientin an einem langen Arbeitstag war und man da einfach schon mal abgekämpft sein kann.

Sie ließ sich schildern, wie der bisherige Verlauf aussah. Ich erwähnte auch einige kleinere körperliche Zipperlein, die ich in den letzten Wochen hatte (Taubheitsgefühle am linken Arm und im Gesicht, Schmerzen im Knie, etc.). Normalerweise hätte ich denen nicht weiter Beachtung geschenkt, da sie irgendwann von selbst wieder verschwanden. Seit der CIS-Diagnose bin ich ehrlich gesagt aber ziemlich verunsichert, ob es möglicherweise nicht doch etwas Neurologisches ist-

Wie schon beim vorherigen Kontrolltermin, musste ich noch einige neurologische Tests absolvieren. Auf einer Linie laufen, auf einem Bein stehen, mir an die Nasenspitze tippen, sowas. Auch die Reflexe an den Knien, Füßen und am Bauch wurden überprüft. Dass meine Bauchhautreflexe erloschen sind, wusste ich ja schon, alle anderen Tests scheine ich bestanden zu haben.

Naja. Die Ärztin fragte, warum ich denn keine Basistherapie mache. Bei der Antwort fiel sie mir dann aber recht bald brüsk ins Wort, dass das zwar meine Entscheidung sei, es aber doch besser wäre und sie das nicht gutheißen könne.
Ich rutschte etwas tiefer in den Stuhl und fühlte mich wie eine Idiotin, quasi mit Impfgegnern und Co. über einen Kamm geschoren.

Und dann haute sie das raus, was mir den Boden unter den Füßen wegriss: „Nee, wir sprechen hier nicht mehr von CIS. Die Diagnosekriterien wurden überarbeitet, Sie haben Multiple Sklerose.“

Urgh- Ich weiß, es ist nur ein anderes Wort. Wie das Kind heißt, ändert gar nichts an meinem körperlichen Befinden. Und trotzdem war es wie ein Schlag ins Gesicht, oder in die Magengrube, oder beides-

Ich habe mir bisher immer gesagt, dass es bei mir ja nicht so schlimm ist. Dass es keine richtige MS ist, nur die Vorstufe. Dass der Kelch vielleicht einfach an mir vorüber geht.
Und jetzt… ist da die volle Breitseite Multiple Sklerose-

Auf dem Heimweg kämpfte ich gegen die Tränen. Hey, Selbstmitleid! Ich saß im Regionalexpress und während ich auf dem Handy die ganzen MS-Seiten durchforstete, um die ich in den letzten Monaten sorgfältig einen Bogen gemacht hatte, hörte ich mit halbem Ohr die ganzen Gespräche der anderen Reisenden. Ich fühlte mich auf einmal unglaublich alleine, so als würde mich eine unsichtbare Wand vom Rest der Welt abschneiden, als wäre mein Leben unendlich weit entfernt vom Alltag der anderen-

Es ist dämlich, ich weiß. Jeder hat irgendein Zipperlein. Tausende von Menschen haben Krebs oder Arthrose oder Hüftprobleme oder weiß der Geier was. Ich bin definitiv nicht die Einzige, die krank ist, und ich bin noch dazu verdammt gut dran. Also wirklich idiotisch… und mir war trotzdem zum Heulen zumute.

In ein paar Tagen habe ich den nächsten MRT-Termin. Immerhin kann ich das Ergebnis telefonisch erfragen und muss nicht nochmal bis nach L. fahren.

2 Antworten auf „Neue Neurologin“

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