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Leben mit MS

#msfighter – wer gegen wen?!

Hashtags wie #msfighter sind beliebt auf Instagram, ich nutze sie auch. Aber gegen wen oder was kämpfe ich da eigentlich?

Auf Instagram nutzen viele MS-Betroffene Hashtags wie #msfighter, #mswarrior oder #multiplesklerosekaempfer.

Neulich ertappte ich auch mich selber mal wieder dabei, #msfighter unter ein Bild zu tippen. Weil ich mich da gerade zum Sport aufgerafft hatte und das so tapfer klang… und naja, weil man’s halt so macht mit den Insta-Hashtags aus dem Salzstreuer. Man will ja schließlich gefunden werden. 🤪

Während ich danach dann also auf dem Tennisplatz stand und in erster Linie gegen Mücken ankämpfte, dachte ich über diese Hashtags nach.

Die klingen ja alle ziemlich heldenhaft. Ich muss dabei immer unwillkürlich an lauter brüllende Krieger denken, die Schwerter Gehhilfen schwenkend in eine Schlacht ziehen und unter ihren Feinden ein Gemetzel veranstalten (natürlich untermalt von epischer Filmmusik à la Herr der Ringe). 😀

Kein Feind in Sicht…

Aber wer kämpft da eigentlich gegen wen? – Letztlich ist die MS ja nichts, was von außen kommt. Wenn der Körper von einem Virus befallen wird und dagegen ankämpft, sind die Rollen klar verteilt.

Aber MS ist anders. Diese zwei Buchstaben beschreiben nur, dass mein Körper sich versehentlich selbst angreift, dass mein Immunsystem durcheinander gekommen ist.

Wenn ich gegen die Multiple Sklerose ankämpfe, kämpfe ich also zwangsläufig gegen mich selbst. Wenn mein Körper nach einer Pause schreit und mir das nicht ins Programm passt, ich ihn unerbittlich weiterzwinge, schneide ich mir ins eigene Fleisch.

Denn surprise, surprisewenn ich gegen mich selbst ankämpfe, kann ich nicht gewinnen. Weil der Gewinner dabei in Personalunion immer auch der Verlierer ist. Jeden vermeintlichen Sieg muss ich teuer bezahlen.

Da ist also gar kein Feind, den es zu bekämpfen gilt. Nur mein Körper, bei dem etwas kaputtgegangen ist – und der dafür nicht auch noch eins mit der sprichwörtlichen Bratpfanne übergezogen bekommen sollte.

Kämpfe ich also gar nicht?

Doch.

Kämpfen statt aufzugeben

Ich habe hier ja neulich schon mal darüber geschrieben, wie lange ich brauchte, um die Diagnose MS zu akzeptieren. Ich wollte das alles ja überhaupt gar nicht wahrhaben und habe mich sehr dagegen gesträubt, dass die Multiple Sklerose für mich verdammt real ist.

Irgendwie dachte ich mir dabei unterbewusst: wenn ich das jemals akzeptiere, dann habe ich kapituliert. Dann habe ich mich mit meinem Schicksal abgefunden und kann mein Leben an den Nagel hängen.

Das ist natürlich Quark – wurde mir aber erst später klar.

Es gibt nämlich einen gewaltigen Unterschied zwischen Aufgeben und Akzeptieren.

Meine mehrjährige Vogel-Strauß-Politik hatte nichts gebracht außer nur noch mehr Stress. Ich Schlauerle wollte die Symptome ja nicht nur vor anderen verbergen, sondern allem voran auch noch vor mir selber. Davon wurde natürlich nichts besser.

Erst als ich allmählich begann, die MS zu akzeptieren, konnte ich auch anfangen, mich um mich zu kümmern. Aktiv zu werden. Und das ist für mich alles andere als eine Kapitulation – im Gegenteil.

Ich habe nicht aufgegeben. Ich kämpfe immer noch. Aber anders.

Nicht gegen etwas kämpfen – aber für etwas

Mit dem Annehmen der MS hat sich die Art und Weise verändert, wie ich kämpfe. Nämlich nicht mehr gegen die Diagnose, gegen meinen Körper.

Ich kämpfe nicht mehr gegen die MS. Ich kämpfe für mich.

Für die Momente, die ich erleben will. Dafür, dass die MS nicht zu viel Raum in meinem Leben einnimmt. Für meine Familie. Dafür, dass meine körperlichen und kognitiven Fähigkeiten erhalten bleiben.

Ich kämpfe für das, was mir gut tut.

Es ist besser, für etwas zu kämpfen als gegen etwas.

Amos Bronson Alcott (1799 – 1888), US-amerikanischer Schriftsteller und Pädagoge

Der einzige, der dabei ab und an eins auf die Nuss bekommt, ist mein innerer Schweinehund. 😉

So ähnlich sieht das übrigens auch Birgit, die darüber in ihrem Artikel Kein Kampf mehr! geschrieben hat.


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